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Wie viel Protein brauchst du für Muskelaufbau?

Als Orientierung für gesunde Erwachsene mit Krafttraining gelten etwa 1,6 Gramm Protein (Eiweiß) pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Darüber sah eine Meta-Analyse mit 49 randomisierten Studien im Mittel keinen weiteren Zuwachs (Morton u. a. 2018). Der Wert ist statistisch unsicher, die Autoren nennen deshalb bis etwa 2,2 Gramm für maximalen Zuwachs; den stärkeren Reiz setzt das Training.

Stand November 202614 Min. LesezeitVon TRÆN. Wir entwickeln und verkaufen die Geräte, um die es hier geht. Über TRÆN · So entsteht der Ratgeber

Mann bereitet in einer hellen Küche ein Frühstück mit Quark, Beeren, Haferflocken und Eiern zu (KI-generiertes Bild)
Eiweißreiches Frühstück aus Quark, Eiern und Haferflocken.

Kurz gesagt

  • Orientierung: etwa 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, bis etwa 2,2 Gramm für maximalen Zuwachs. Ein exakter Grenzwert ist nicht belegt (Morton u. a. 2018; Nunes u. a. 2022).
  • Die DGE nennt für Erwachsene von 19 bis 64 Jahren 0,8 Gramm je Kilogramm Normalgewicht (Richter u. a. 2019 (DGE)). Ihre Arbeitsgruppe Sporternährung nennt ab etwa fünf Stunden Training pro Woche 1,2 bis 2,0 Gramm (König u. a. 2020).
  • Ohne Krafttraining zeigte mehr Protein keinen gesicherten Zuwachs an Magermasse, bei nur sechs Studien. Mit Training brachte es im Mittel ein kleines Plus (Nunes u. a. 2022; Morton u. a. 2018).
  • Die Tagesmenge ist besser belegt als der Zeitpunkt; die DGE-Arbeitsgruppe rät zu drei bis vier Proteingaben am Tag (König u. a. 2020). Zwischen Soja- und Milchprotein zeigte sich bei der Muskelmasse kein erkennbarer Unterschied (überwiegend Sojaisolate). Bei anderen Pflanzenproteinen und rein pflanzlicher Kost ist ein kleiner Nachteil möglich (Reid-McCann u. a. 2025).
  • Die Studien betreffen überwiegend gesunde Erwachsene; bei Nierenerkrankung klärst du die Menge ärztlich (Morton u. a. 2018; Devries u. a. 2018).

Wie viel Protein pro Tag für Muskelaufbau?

Protein und Eiweiß meinen im Alltag dasselbe. Eine Meta-Analyse mit 49 randomisierten Studien und 1.863 gesunden Erwachsenen hat die Menge genauer untersucht (Morton u. a. 2018). Alle trainierten mindestens sechs Wochen Kraft, ein Teil bekam zusätzlich Protein. Für die Tagesmenge rechneten die Autoren einen Knickpunkt aus. Er lag bei etwa 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Darüber stieg die fettfreie Masse im Mittel nicht weiter.

Dieser Wert ist unsicher. Sein Unsicherheitsbereich reicht von etwa 1,0 bis 2,2 Gramm pro Kilogramm, und der Knick war statistisch nicht gesichert (Morton u. a. 2018). Er beruht auf 42 Studiengruppen mit 723 Personen. Die Autoren nennen deshalb bis etwa 2,2 Gramm für maximalen Zuwachs. Einordnung: Sinnvoll ist eine Spanne von etwa 1,6 bis 2,2 Gramm, kein exakter Grenzwert.

Eine zweite Meta-Analyse mit 74 randomisierten Studien zeigt ein ähnliches Bild (Nunes u. a. 2022). Mehr Protein brachte beim Krafttraining ein kleines Plus an Magermasse. Die Sicherheit dieser Evidenz stufen die Autoren als moderat ein. Bei unter 65-Jährigen war das Plus erst ab einer Gesamtzufuhr von etwa 1,6 Gramm pro Kilogramm klar erkennbar. Das sind Untergruppen, keine Grenzwerte.

Mehr Protein: Zusatznutzen für die Magermasse
Mehr Protein: Zusatznutzen für die MagermasseZusatznutzen von mehr Protein für die Magermasse in einer Meta-Analyse mit 74 randomisierten Studien: mit Krafttraining insgesamt 0,22 (Bereich 0,14 bis 0,30, 62 Studien); mit Krafttraining unter 65 Jahren bei 1,2 bis 1,59 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht 0,15 (Bereich minus 0,02 bis 0,31, 15 Studien, kein erkennbarer Unterschied); mit Krafttraining unter 65 Jahren ab 1,6 Gramm pro Kilogramm 0,30 (Bereich 0,17 bis 0,43, 23 Studien); ohne Krafttraining 0,21 (Bereich minus 0,15 bis 0,58, 6 Studien, kein gesicherter Zuwachs).Mit Krafttraining, alle Mengen (62Studien)0,22Mit Krafttraining, unter 65 Jahren, 1,2bis 1,59 Gramm pro Kilogramm (15 Studien)0,15Mit Krafttraining, unter 65 Jahren, ab1,6 Gramm pro Kilogramm (23 Studien)0,3Ohne Krafttraining (6 Studien)0,210Unterschied in Standardabweichungen(SMD), ein Maß, das verschiedeneMessungen vergleichbar macht. Der Strichzeigt die Unsicherheit; schließt er die 0ein, ist kein Unterschied erkennbar.
Daten der Grafik
Zusatznutzen (standardisiertes Maß, 0 = kein Unterschied)Spanne
Mit Krafttraining, alle Mengen (62 Studien)0,220,14 bis 0,3
Mit Krafttraining, unter 65 Jahren, 1,2 bis 1,59 Gramm pro Kilogramm (15 Studien)0,15−0,02 bis 0,31
Mit Krafttraining, unter 65 Jahren, ab 1,6 Gramm pro Kilogramm (23 Studien)0,30,17 bis 0,43
Ohne Krafttraining (6 Studien)0,21−0,15 bis 0,58

Null heißt: kein Unterschied zu weniger Protein. Werte um 0,2 gelten als klein; Nunes u. a. sprechen von kleinen Zusatzgewinnen. Klar über null liegt die Spanne mit Krafttraining insgesamt und bei unter 65-Jährigen ab 1,6 Gramm pro Kilogramm. Ohne Krafttraining schließt die Spanne die Null ein. Die Mengenstufen sind Untergruppen, keine Grenzwerte.

Daten: Nunes u. a. 2022, Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle; Meta-Analyse über 74 randomisierte Studien (Nunes u. a. 2022); eigene Darstellung, vereinfacht.

Eine dritte Meta-Analyse sah einen Knick schon bei etwa 1,3 Gramm pro Kilogramm (Tagawa u. a. 2021). Ihre Kurve beruht auf einem Vergleich zwischen Studiengruppen, nicht auf einem randomisierten Dosisvergleich. Der Knick zeigte sich vor allem in Gruppen ohne Krafttraining. In Gruppen mit Krafttraining stieg die fettfreie Masse darüber nicht flacher an. Für Krafttrainierende sind 1,3 Gramm deshalb keine Obergrenze.

Den Reiz für den Muskelaufbau setzt das Training. Wie das zuhause geht, steht in Kann man zuhause Muskeln aufbauen?.

Wie berechnest du Protein pro Kilogramm Körpergewicht?

  1. Dein Körpergewicht.

    Du nimmst dein Körpergewicht in Kilogramm.

  2. Mal 1,6 rechnen.

    Das ergibt die Orientierung für den Muskelaufbau in Gramm Protein pro Tag (Morton u. a. 2018).

  3. Mal 2,2 rechnen.

    Das ist das obere Ende der Spanne, das die Autoren für maximalen Zuwachs nennen (Morton u. a. 2018).

  4. Auf Mahlzeiten verteilen.

    Die DGE-Arbeitsgruppe Sporternährung rät zu drei bis vier Proteingaben am Tag (König u. a. 2020).

Protein pro Tag in Gramm, nach Körpergewicht
Körpergewicht0,8 Gramm pro Kilogramm1,6 Gramm pro Kilogramm2,2 Gramm pro Kilogramm
60 Kilogramm48 Gramm96 Gramm132 Gramm
75 Kilogramm60 Gramm120 Gramm165 Gramm
90 Kilogramm72 Gramm144 Gramm198 Gramm

Rechenbeispiel. 0,8 Gramm pro Kilogramm: DGE-Referenzwert für 19 bis 64 Jahre (Richter u. a. 2019 (DGE)); 1,6 und 2,2 Gramm pro Kilogramm: Meta-Analyse zum Krafttraining (Morton u. a. 2018). Die DGE rechnet bei Übergewicht (BMI über 25) mit dem Normalgewicht (Richter u. a. 2019 (DGE)); die Zeilen gelten für Normalgewicht. Dauerhaft 2 Gramm pro Kilogramm und mehr: Hinweis der DGE-Arbeitsgruppe im Abschnitt „Ist viel Protein schädlich?“ (König u. a. 2020).

Ein Beispiel: Bei 75 Kilogramm Körpergewicht sind 1,6 Gramm pro Kilogramm rund 120 Gramm Protein am Tag. Auf vier Mahlzeiten verteilt sind das etwa 30 Gramm je Mahlzeit. Gemeint ist das Protein im Essen, nicht das Gewicht des Essens.

Reichen die 0,8 Gramm pro Kilogramm der DGE?

Die DGE nennt für Erwachsene von 19 bis 64 Jahren 0,8 Gramm Protein je Kilogramm Normalgewicht am Tag; bei einem BMI über 25 zählt das Normalgewicht (Richter u. a. 2019 (DGE)). Ab 65 Jahren sind es 1,0 Gramm, von der DGE als Schätzwert bezeichnet (Richter u. a. 2019 (DGE)). Das ist ein Referenzwert für die Allgemeinbevölkerung. Er soll den Bedarf decken, nicht den Muskelaufbau ausreizen. Breitensport bei vier- bis fünfmal 30 Minuten mäßiger Intensität pro Woche erhöht ihn laut DGE nicht (Richter u. a. 2019 (DGE)).

Ab etwa fünf Stunden Training pro Woche nennt die DGE-Arbeitsgruppe Sporternährung je nach Ziel 1,2 bis 2,0 Gramm (König u. a. 2020). Die fünf Stunden übernimmt die Arbeitsgruppe aus einer Unterlage der EFSA von 2015. Sie sind kein Studienergebnis zum Muskelaufbau.

Trainierst du zuhause zwei bis vier Stunden pro Woche, liegst du dazwischen. Eine feste Grenze legt keine Stelle fest. Einordnung: Geht es dir gezielt um Muskelaufbau, sind die Meta-Analysen zum Krafttraining der bessere Anhaltspunkt, etwa 1,6 Gramm pro Kilogramm (Morton u. a. 2018; Nunes u. a. 2022). Falsch ist der DGE-Wert damit nicht.

Baut Protein ohne Training Muskeln auf?

Das ist nicht gesichert. Bei gesunden Erwachsenen ohne Krafttraining zeigte mehr Protein keinen gesicherten Zuwachs an Magermasse (Nunes u. a. 2022). Der Befund beruht auf nur sechs Studien. Ein fehlender Nachweis heißt nicht, dass es nichts bringt.

Eine andere Meta-Analyse fand einen ähnlichen Effekt mit und ohne Krafttraining (Tagawa u. a. 2021). In ihr liefen aber viele Diätstudien mit oft älteren Teilnehmenden. Einordnung: Dort ging es wohl eher ums Halten als ums Aufbauen; die Autoren sprechen von Erhalt oder Zuwachs. Die Studien sind kaum vergleichbar. Morton und Team sehen das Training als viel stärkeren Treiber als das Protein (Morton u. a. 2018).

Und zusätzlich zum Training? In der Meta-Analyse von Morton und Team brachte zusätzliches Protein im Mittel rund 0,3 Kilogramm mehr fettfreie Masse, über mindestens sechs Wochen (Morton u. a. 2018). Ältere profitierten weniger, Trainingserfahrene etwas mehr. Ob das Protein aus Pulver oder aus Essen kam, wurde nicht getrennt verglichen. Eine Empfehlung für Pulver oder Marken geben wir nicht.

Wann solltest du Protein essen, und wie viel pro Mahlzeit?

Einordnung: Die Tagesmenge ist besser belegt als der Zeitpunkt. Die DGE-Arbeitsgruppe gibt eine Übersichtsarbeit wieder: Das Timing solle nicht allzu dogmatisch gesehen werden, Protein im zeitlichen Zusammenhang mit dem Training sei aber nötig, um die Eiweißbildung im Muskel anzuregen (König u. a. 2020). Die Arbeitsgruppe hält den Zeitpunkt für nicht abschließend geklärt (König u. a. 2020). Eine geprüfte Meta-Analyse zum Zeitpunkt bei jüngeren Krafttrainierenden nennen wir hier nicht.

Ein enges „anaboles Fenster“ von 30 bis 60 Minuten nach dem Training ist nicht gesichert. Nach einem narrativen Review von 2013 ist das Fenster weiter als oft behauptet (Aragon und Schoenfeld 2013). Wer etwa 1 bis 2 Stunden vorher eine proteinreiche Mahlzeit hatte, dem genügt danach wahrscheinlich die nächste (Aragon und Schoenfeld 2013). Liegt die letzte Mahlzeit mehr als etwa 3 bis 4 Stunden zurück oder trainierst du nüchtern, ist Protein laut dem Review bald nach dem Training eher sinnvoll (Aragon und Schoenfeld 2013).

Bei selbstständig lebenden Menschen ab 65 unterschied sich der Effekt von Proteinpräparaten nicht signifikant nach Menge, Häufigkeit oder Tageszeit (Hettiarachchi u. a. 2024). Gleichwertig sind diese Varianten damit nicht belegt. Für Jüngere sagt die Arbeit nichts.

Pro Mahlzeit nennt die ISSN pragmatische Werte: etwa 20 bis 40 Gramm je Portion, etwa alle drei bis vier Stunden (Jäger u. a. 2017).

Ob der Körper pro Mahlzeit nur 20 bis 25 Gramm verwertet, ist offen. In einer randomisierten Studie mit 36 jungen Männern wirkten 100 Gramm Milchprotein stärker und länger auf die Muskelproteinsynthese als 25 Gramm (Trommelen u. a. 2023). Gemessen wurde über Stunden, nicht der Zuwachs über Wochen. Einordnung: Für die Praxis bleibt die Tagesmenge entscheidend.

Welche Lebensmittel liefern Protein: tierisch oder pflanzlich?

Eine Meta-Analyse mit 30 randomisierten Studien und 1.538 Teilnehmenden verglich pflanzliches und tierisches Protein (Reid-McCann u. a. 2025). Zwischen Soja- und Milchprotein zeigte sich bei der Muskelmasse kein erkennbarer Unterschied, das zeigten 17 Studien, überwiegend mit Sojaisolaten und -konzentraten. Über alle Studien hatten Gruppen mit Pflanzenprotein etwas weniger Muskelmasse. Der Unterschied ging vor allem auf andere Pflanzenproteine wie Reis, Hafer oder Kartoffel zurück und auf rein pflanzliche Kost.

Diese Untergruppen sind klein, die Studien sehr unterschiedlich. In den 10 Studien mit Krafttraining war der Nachteil größer. Bei der Kraft fand sich insgesamt kein signifikanter Unterschied. Gleichwertig ist sie damit nicht belegt.

Die DGE-Arbeitsgruppe Sporternährung sieht keinen eindeutigen Vorteil tierischer Proteine, wenn du über den Tag alle nötigen Aminosäuren aufnimmst (König u. a. 2020). Die ISSN sieht es zurückhaltender: Tierische Proteine enthalten meist mehr essenzielle Aminosäuren, Soja gilt dort als Protein geringerer Qualität, und zu anderen Pflanzenproteinen gebe es wenig Forschung (Jäger u. a. 2017). Einordnung: Ein kleiner Nachteil bei rein pflanzlicher Kost ist möglich, aber nicht gesichert. Isst du pflanzlich, achtest du auf Menge und Quelle, etwa Soja oder mehrere Quellen kombiniert. Viel Protein haben zum Beispiel Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte und Sojaprodukte.

Muskeln aufbauen und abnehmen: Geht das gleichzeitig?

Wer beim Krafttraining über mindestens drei Wochen weniger isst, als er verbraucht, baut weniger fettfreie Masse auf. Das zeigte eine Meta-Analyse randomisierter Studien (Murphy und Koehler 2022). Ausgewertet haben wir nur ihre Zusammenfassung. Bei der Kraft fand sich kein gesicherter Unterschied. Ein gleich großer Kraftzuwachs ist damit aber nicht belegt.

In der Rechnung der Autoren verhinderte ein Defizit von etwa 500 Kilokalorien pro Tag den Zuwachs an fettfreier Masse. Das ist ein Näherungswert aus einem Modell, keine Grenze für dich persönlich. Die Autoren raten: Wer in einer Diät Muskeln halten will, meidet Defizite über 500 Kilokalorien pro Tag. Für wen Aufbau und Abnehmen gleichzeitig gelingen und wie gut, ist nicht beziffert.

Mehr Protein half im Defizit etwas. In einer Meta-Analyse mit 18 randomisierten Studien ging bei einer Zufuhr über 0,8 Gramm pro Kilogramm im Mittel rund 0,36 Kilogramm weniger fettfreie Masse verloren (Hudson u. a. 2020). Der Unsicherheitsbereich reicht von 0,06 bis 0,67 Kilogramm, bei 14 Vergleichen aus Studien mit und ohne Krafttraining. Der Effekt ist klein und unsicher. Eine Zielmenge lässt sich daraus nicht ableiten.

Ist viel Protein schädlich?

Bei Erwachsenen ohne bekannte Nierenerkrankung fand eine Meta-Analyse mit 28 randomisierten Studien und 1.358 Teilnehmenden keine Verschlechterung der Nierenfunktion durch mehr Protein (Devries u. a. 2018). Verglichen wurden im Mittel 1,8 mit 0,9 Gramm pro Kilogramm, in einzelnen Studien bis über 3 Gramm. Die Sicherheit dieser Evidenz ist niedrig bis sehr niedrig. Lange Zeiträume sind wenig untersucht. Der Letztautor nennt Förderung unter anderem von Milch- und Rinderverbänden (Devries u. a. 2018).

Die DGE-Arbeitsgruppe Sporternährung ist vorsichtiger. Bei dauerhaft 2 Gramm pro Kilogramm und mehr hält sie einen Nachteil für die Nierenfunktion für nicht ausgeschlossen. Einen Schaden gesunder Nieren konnten Studien bisher nicht belegen; die Datenlage im Sport ist dünn (König u. a. 2020).

Was sagen Fachleute?

Antworten

Wie viel Protein brauchen Frauen für Muskelaufbau?

Eigene Werte für Frauen nennt keine der hier ausgewerteten Empfehlungen; alle rechnen in Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. In der Meta-Analyse von Morton und Team liefen 14 Studiengruppen nur mit Frauen (Morton u. a. 2018). Die Autoren sahen keine auffälligen Unterschiede nach Geschlecht, merken aber an, dass zu Frauen deutlich weniger geforscht wurde (Morton u. a. 2018). Zum Training steht mehr in Krafttraining für Frauen.

Brauchen Ältere mehr Protein?

Die DGE nennt ab 65 Jahren 1,0 statt 0,8 Gramm pro Kilogramm, als Schätzwert, weil sich der Bedarf Älterer nicht genau bestimmen lässt (Richter u. a. 2019 (DGE)). Die international besetzte Expertengruppe PROT-AGE (Expertenkonsens) nennt Menschen über 65 im Mittel mindestens 1,0 bis 1,2 Gramm; wer trainiert, mindestens 1,2 Gramm (Bauer u. a. 2013). Bei schwerer Nierenerkrankung ohne Dialyse gilt das nicht (Bauer u. a. 2013). Der Zusatznutzen von Proteinpräparaten wurde mit steigendem Alter kleiner (Morton u. a. 2018). Zum Training steht mehr in Krafttraining ab 50.

Geht Muskelaufbau ohne Proteinshake?

Einordnung: Ja. Das Training ist laut den Autoren der Meta-Analyse der viel stärkere Treiber; zusätzliches Protein brachte im Mittel ein kleines Plus (Morton u. a. 2018). Ob es aus Pulver oder Essen kommt, wurde nicht getrennt verglichen. Die DGE-Arbeitsgruppe stellt die Ernährung an die erste Stelle (König u. a. 2020).

Protein vor oder nach dem Training?

Einordnung: Die Tagesmenge ist besser belegt als der Zeitpunkt. Die ISSN sieht einen Nutzen vor oder nach dem Training, den besten Zeitraum hält sie für eine Frage der Verträglichkeit (Jäger u. a. 2017). Die DGE-Arbeitsgruppe gibt eine Übersichtsarbeit wieder: Ob die Zufuhr 1 bis 2 oder 2 bis 3 Stunden nach dem Sport liegt, sei wahrscheinlich nicht wesentlich (König u. a. 2020). Die Arbeitsgruppe hält den Zeitpunkt für nicht abschließend geklärt (König u. a. 2020). Nach einem narrativen Review von 2013 ist Protein bald nach dem Training eher sinnvoll, wenn die letzte Mahlzeit mehr als etwa 3 bis 4 Stunden zurückliegt oder du nüchtern trainierst (Aragon und Schoenfeld 2013).

Bringen mehr als 2,2 Gramm pro Kilogramm noch etwas?

Für den Muskelaufbau gibt es darüber kaum Daten. Die Knickpunkt-Rechnung von Morton und Team reichte nur bis 2,4 Gramm pro Kilogramm (Morton u. a. 2018). Die ISSN hält es für vorläufig möglich, dass mehr als 3,0 Gramm pro Kilogramm bei Krafttrainierten die Körperzusammensetzung verbessern, vor allem über weniger Fett. Zum Muskelaufbau sagt das nichts (Jäger u. a. 2017). Viele Autoren der ISSN haben Verbindungen zu Herstellern von Nahrungsergänzung. Die DGE-Arbeitsgruppe hält höhere Mengen nur zeitweise für sinnvoll (König u. a. 2020).

Rechne ich mit dem Körpergewicht oder der Muskelmasse?

Die Studien und Empfehlungen hier rechnen mit dem Körpergewicht (Morton u. a. 2018; König u. a. 2020). Die DGE rechnet bei Übergewicht (BMI über 25) mit dem Normalgewicht (Richter u. a. 2019 (DGE)). Menschen mit Adipositas waren in einer der Meta-Analysen ausgeschlossen (Nunes u. a. 2022). Für die Spanne zum Muskelaufbau haben wir bei starkem Übergewicht keinen belegten Wert.

Quellen

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  2. Nunes u. a. 2022Meta-Analyse · 74 randomisierte StudienNunes EA, Colenso-Semple L, McKellar SR, Yau T, Ali MU, Fitzpatrick-Lewis D, Sherifali D, Gaudichon C, Tomé D, Atherton PJ, Robles MC, Naranjo-Modad S, Braun M, Landi F, Phillips SM (2022). Systematic review and meta-analysis of protein intake to support muscle mass and function in healthy adults. J Cachexia Sarcopenia Muscle 13(2):795⁠–⁠810. DOI 10.1002/jcsm.12922. Quelle ansehen
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  8. Devries u. a. 2018Meta-Analyse · 28 randomisierte Studien, 1.358 TeilnehmendeDevries MC, Sithamparapillai A, Brimble KS, Banfield L, Morton RW, Phillips SM (2018). Changes in Kidney Function Do Not Differ between Healthy Adults Consuming Higher- Compared with Lower- or Normal-Protein Diets: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Nutr 148(11):1760⁠–⁠1775. DOI 10.1093/jn/nxy197. Quelle ansehen
  9. Trommelen u. a. 2023Randomisierte Studie · 36 junge MännerTrommelen J, van Lieshout GAA, Nyakayiru J u. a. (2023). The anabolic response to protein ingestion during recovery from exercise has no upper limit in magnitude and duration in vivo in humans. Cell Rep Med 4(12):101324. DOI 10.1016/j.xcrm.2023.101324. Quelle ansehen
  10. Aragon und Schoenfeld 2013Narrativer Review · rund 85 Literaturangaben, keine GesamtberechnungAragon AA, Schoenfeld BJ (2013). Nutrient timing revisited: is there a post-exercise anabolic window? J Int Soc Sports Nutr 10(1):5. DOI 10.1186/1550-2783-10-5. PMID 23360586. Quelle ansehen
  11. Richter u. a. 2019 (DGE)Leitlinie · D-A-CH-Referenzwerte Protein, Erwachsene aus 2 Meta-Analysen von StickstoffbilanzstudienRichter M, Baerlocher K, Bauer JM, Elmadfa I, Heseker H, Leschik-Bonnet E, Stangl G, Volkert D, Stehle P (im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Ernährung): Revised Reference Values for the Intake of Protein. Annals of Nutrition and Metabolism 2019; 74(3): 242⁠–⁠250. doi:10.1159/000499374. Online-Fassung der Referenzwerte (Ableitung Stand 2017): dge.de/wissenschaft/referenzwerte/protein/. Quelle ansehen
  12. König u. a. 2020Stellungnahme · Positionspapier mit 47 Literaturstellen, kein eigenes StudiendesignKönig D, Carlsohn A, Braun H u. a. (2020). Proteinzufuhr im Sport. Position der Arbeitsgruppe Sporternährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Ernährungs Umschau 67(7):M406–M413. doi:10.4455/eu.2020.039. Quelle ansehen
  13. Jäger u. a. 2017Stellungnahme · Positionspapier der International Society of Sports Nutrition, narrative Übersicht, 22 Autoren, 13 PositionenJäger R, Kerksick CM, Campbell BI u. a. (2017). International Society of Sports Nutrition Position Stand: protein and exercise. J Int Soc Sports Nutr 14:20. DOI 10.1186/s12970-017-0177-8. Quelle ansehen
  14. Bauer u. a. 2013Stellungnahme · Expertenkonsens der PROT-AGE-Gruppe, Personen über 65 JahreBauer J, Biolo G, Cederholm T, Cesari M, Cruz-Jentoft AJ, Morley JE, Phillips S, Sieber C, Stehle P, Teta D, Visvanathan R, Volpi E, Boirie Y (2013). Evidence-based recommendations for optimal dietary protein intake in older people: a position paper from the PROT-AGE Study Group. J Am Med Dir Assoc 14(8):542⁠–⁠559. DOI 10.1016/j.jamda.2013.05.021. PMID 23867520. Quelle ansehen

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